Reetdächer haben das Aussehen weiter Regionen Nord- und Mitteleuropas entscheidend mitgeprägt. Ob in Frankreich, Großbritannien, Irland, Dänemark, Holland oder Deutschland, überall dort, wo die Landschaften sumpfig waren oder noch heute sind und kaum festes Material wie Schiefer oder Lehm vorhanden war, das für die Dacheindeckung geeignet schien, wurde Reet zu einem vorherrschenden Baumerkmal. Im friesischen Raum bildete sich das Niederdeutsche Hallenhaus, im Volksmund Niedersachsenhaus genannt, heraus. Erst mit der einsetzenden Industrialisierung des neunzehnten Jahrhunderts und der damit verbundenen Fähigkeit, Hartbedachungen in größeren Mengen sowie billiger herzustellen und sie über weite Strecken zu transportieren, wurde Reet langsam verdrängt. Anbau und Ernte waren zu zeitaufwendig und lange Zeit nicht mehr konkurrenzfähig. Erst in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts erlebte Reet als natürlicher Baustoff wieder eine Renaissance, die bis heute anhält.